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Zehn
Gründe in all das Mobile einen Anker zu werfen, Zehn Gründe
eine Utopie daran schwimmen zu lassen und zehn Gründe, deswegen nicht
aufzuhören die postfordistische Akademie zu eröffnen.
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Dieser Text ist eine Produkt von Bewegung. Ein Ergebnis von Mobilität,
dem Begriff, dem ich kurz an die Gurgel will, um am Ende bei einem anderen
Schwerkörper zu landen: bei der Utopie.
Dieser Text ist in Englisch geschrieben, obwohl meine Muttersprache Deutsch
ist. Als Mittelschichtskind und Langzeitstudent einer Elite Kunsthochschule
in Deutschland, war es mir möglich soviel Zeit in New York zu verbringen,
dass ich die Sprache lernen konnte, die man heute sprechen können
muss, um sich um die Welt zu bewegen.
Der Text ist nun in die Sprache des Landes übersetzt, in das ich
als einer von vielen "Experten" eingeflogen wurde, um, finanziert
von einer deutschen Kunstinstitution, über die mobile, das heißt
globale Kunstakademie nachzu denken.
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Dieser Text ist das Produkt der scheinbar glänzenden Seite der Mobilität.
Denn während wir von immer besseren Transport- und Kommunikationstechnologien
profitieren, die sich in immer billigeren Ticktes und einem globalen Arbeitsmarkt
für "umherschweifende ProduzentInnen" niederschlagen, ist
der größere Teil menschlicher Bewegung auf diesem Planeten
nicht frei, sondern gezwungen.
Wie aber stehen Armuts- und Arbeitsmigration, Flüchtlinge und Vertriebene
im Verhältnis zu einer Diskussion um mobile Akademie? Wie überschneiden
und bedingen sich diese zwei Formen der Mobilität?
Meine Antwort kann erst einmal nur die intuitive Reaktion des Benennens
sein: Wenn man aus einem Land kommt, das die zynische Politik des Kolonialismus
mit anderen Mitteln weiterführt und gleichzeitig sich hinter den
Mauern der Festung Europa verschanzt und wenn ich aus dieser Sprechposition
über eine neue Institution dieser Gesellschaft nachdenken soll, will
ich nicht den Blick abwenden, von der Tatsache, dass die Grenzen der Akademie
in Europa, in jeden Fall an den Grenzen von Schengen enden. Ganz gleich
wie offen und zugänglich "für alle" eine Akademie
sein will.
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Aber auch die privilegierten Arbeiter in der Kulturindustrie und auf dem
Wissensmarkt realisieren, dass Mobilität nicht nur das Versprechen
von Freiheit und Abenteur, Erlebnis und Exotik bedeutet. Ihre Projektökonomien
müssen der Logik von uneingeschränkter, persönlicher Beweglichkeit
folgen. Flexibilität ist längst kein Vorzug und kein Alleinstellungsmerkmal
mehr. Mobilität ist keine Wahl, kein Lifestyle und kein Versprechen:
Sie ist einer der Imperative postfordistischer Arbeitsorganisation.
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Jahrhunderte kolonialer Handel hat die Pfade ausgetreten, auf denen sich
Menschen bewegen, um Arbeit zu finden und Kriegen zu entkommen. Pfade,
die Kulturarbeiter im Managerkostüm aus der Flugzeugperspektive nachzeichnen.
Die Ausweichbewegung der Produktion aus Ländern mit hohen sozialen
Standarts und die weltweite Bewegung des Kapitals an die Standorte mit
der höchsten Chance auf Realisierung von Profiten, schlägt Pfade
zu Schneisen und überzieht den Globus mit einem sich ausbreitenden
Wegenetz.
Es ist so umfassend berichtet, analysiert und kritisiert worden, dass
es fast schmerzhaft banal ist, es nochmal aufzuschreiben: Mobiliät
ist heute der wichtigste Parameter für Kapital und Arbeit.
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Mobilität erscheint damit die logische Form einer zukünftigen
Akademie. Wie aber konstruiert sich eine Future Academy, um einen solchen
widersprüchlichen Begriff? Wie baut man eine mobile, temporäre
Akademie, ohne die gegenwärtige Logik des Kapitals und der Organisation
der Arbeit in der neoliberalen Wirtschaft zu kopieren und zu reproduzieren?
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Um diese schemenhafte Zusammenfassung dieses hyperkomplexen Zustandes
in fünf Absätzen mit einem Beispiel auszubalancieren, und um
zu zeigen, dass Mobilität nicht nur aus der makropolitischen Perspektive
problematisch ist, sondern ganz konkret die Struktur anderer "Future
Universities" bereits formt, würde ich sie gerne einladen einen
Blick auf eine futuristische Universität zu werfen, auf die sich
unsere Recherche im letzten Jahr konzentriert hat: Die Corporate University
des Volkswagen Konzerns. Die Volkswagen AutoUni.
Volkswagens Gründung im faschistischen Deutschland war zusammen mit
der Autobahn das ambitionierteste Projekt des Nationalsozialismus. Deutschland
sollte in die Riege moderner Industrienationen einzureihen. Das Projekt
"Massenmobilität", kopiert von den USA, war moderne Utopie
im rohstoffarmen, unterentwickelten Deutschland und gleichzeitig zu realisierende
Wirtschaftspolitik, notfalls mithilfe von Zwangsarbeit. Volkswagen war
der Startschuss für den deutschen Fordismus.
"Als ThinkTank entwickelt die AutoUni strategische Ansätze,
die den Wandel der Volkswagen AG zum Mobilitätsdienstleister unterstützen"
Die AutoUni ist Volkswagens "Future Academy", um das Wissen
für dieTransformation von der fordistischen Schwerindustrie zum postfordistischen
Anbieter von Mobilitätsdienstleistungen, Wissen und Informationstechnologien
einzukaufen ((((((( und das eigene Wissen, über klassische Mobilitätsprodukte
auf dem Wissensmarkt besser abzuverkaufen.
Es ist eine andere Universität, als die "Corporate Universities"
ähnlicher Konzerne, die meist einfache Weiterbildungseinrichtungen
sind. Die AutoUni will eine "völlig neuartige Institution"
werden. Sie wird "akademischer sein, als eine Corporate University",
aber auch "mehr corporate als eine akademische Universität."
Ein Hybrid also. Eine Art imaginative Public Private Partnership der Konzeptionen
von Humboldtscher Universität, und eines "Corporate Knowledge
Brokers"
Mobilität ist nicht nur Ausgangspunkt und Inhalt dieser Universität.
Das Bewegen durch die "VolkswagenWelt" und Flexibilität
sind tief in die Struktur der Universität eingeschrieben:
Die Volkswagen AutoUni befindet sich nicht an einem Ort. Sie "ist
nicht international ausgerichtet, sie ist global" und orientiert
sich am Rückrat der Volkswagen Produktionstätten. Südamerika,
Afrika, China: Entlang der Expansionslinien in die "emerging markets"
der Vergangenheit und Zukunft werden einige "satelliten campus"
mit Themenbindung eingerichtet: Wo lernt es sich besser über "emerging
markets" als in China und wo lernt sich "managing diversity"
besser als in Südafrika. "Real cases" (Real didaktik) instead
of paper cases.
Das Konzept des "Blended learning" einer Mischung aus Präsenz
in den globalen Capusen, web based und selbstständigem Lernen zuhause,
trägt dem Umstand Rechnung, dass sich sowohl Studierende, als auch
Lehrende konstant um den Globus bewegen.
"Um mit wenigen Mitteln Spitze zu sein", sagt der Direktor der
AutoUni, "müssen wir uns exzellente Professoren nicht ganz einkaufen,
sondern wir kaufen uns nur einzelne Leistungen ein." Der Lehrer und
Forscher wird zum hypermobilen content provider, der auf dem Wissensmarkt
seine Dienste anbietet.
So heißt auch der Hauptcampus in Wolfsburg "MobileLife Campus"
und ähnelt im architektonischen Design sich überkreuzenden DNA
Strängen: Eine Visualisierung einer der Leitsätze von Volkswagen:
"Competition runs in our genes"
An der AutoUni findet das neoliberale Arbeitssubjekt sein Habitat: Mobilität,
Competition, Lebenstechnik und Kultur.
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Anfang des 20. Jahrhunderts, 30 Jahre vor der Gründung von Volkswagen
in der Hochphase der modernen Industrialisierung: Mobilität ist der
Begriff, an dem sich utopische Stadtentwürfe kristallisieren: Die
"Cosmopolis of the Future" von M. King und Harry Petit, die
"ville contemporaine" und "ville radieuse" von Corbusier,
die bereits "the age of the car" vorwegnehmen. Die Geschwindigkeit
mit der Waren und Menschen zwischen den Metropolen zirkulieren erhöht
sich. In den utopischen Entwürfen dieser Zeit bedeutet Mobilität
Befreiung aus den engen sozialen und gesellschaftlichen Verhältnissen
durch das Auto oder das Flugzeug.
Die Staaten und ihre Institutionen beginnen sich zu einem einzigen Verkehrswegenetz
zu verbinden. Man träumt von übertriebenen Brückensystemen,
mehrstöckigen Autobahnen, Massenfliegerei.
In den siebziger Jahren bewegen sich in den kühnsten Träumen
nicht mehr die Menschen zwischen Institutionen, sondern die Institution
beginnt sich selbst zu bewegen Die "walking city" und "plug-in
city" von archigramm können als Ausdruck der Krise des fordistischen
Modells gelesen werden: Die Massenmobilität und ihre mehrstöckigen
Autobahnen sind realisiert und zum Alptraum geworden, die Utopie einer
freien Gesellschaft hat sich in der Technik nicht realisiert.
Also wird die Beweglichkeit der gesellschaftlichen Institutionen selbst
zur politischen Forderung: Variablere Arbeitsverhältnisse, flexiblere
Arbeitszeiten und mehr Bewegungsraum für die eigene Identität.
Heute haben sich die Forderungen nach Beweglichkeit und die Träume
von Bewegungsfreiheit in die Gesellschaft integriert und sind zur für
einige wenige Realität geworden. Die Perspektiven für eine befreite
Gesellschaft für alle dagegen sind sehr eng geworden.
(Der Nagakin Capsule Tower in Tokyo, ein Manifest urbaner mobiler Lebensentwürfe,
so wurde gemeldet, soll abgerissen werden. Ein Stück architektonisch
realisierte Utopie hat nie so funktioniert, wie er gedacht war: Ein Baukörper,
in den sich individuelle Kapseln einhängen lassen, die sich zu einem
anderen Ort mitnehmen lassen und sich dort in das gleichartige Stahlregal
wieder einhängen können. Der Nagakin Tower funktioniert als
Symbol einer technisch realisierten Utopie, die sich gesellschaftlich
nie realisieren konnte: Heute schlafen darin meist Geschäftsleute,
die nach dem Saufen ihre Mobilität gänzlich verloren haben,
den Zug verpasst haben und eine Kapsel zum ausnüchtern brauchen.)
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Legen wir auch heute die Hoffnung auf eine radikal andere Gesellschaft
in die Realisierung des technischen Fortschritts.?
Wie denken wir das Internet? Als Verbindungsnetz aller Bewohner des Planeten?,
Als Werkzeug für die gerechtere Verteilung von Wissen? Wie denken
wir Hunger? Als mit gen-technik zu lösendes technisches Problem?
Es ist eine Figur der modernen westlichen Kultur, Befreiungsphantasien
über technische Utopien zu formulieren.
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Die Future Academy kann meiner Ansicht nach, nicht mithilfe des technischen
Konzeptes von Mobilität der Enge der Akademie des 19. Jahrhunderts
entgehen, so wie sie nicht der Ökonomisierung von Wissen und corporatisierung
der Bildung entfliehen kann, indem sie Ausweichbewegungen über den
Globus in eine vermeintliche ortlose Freiheit imaginiert.
Eine Future Academy kann sich dann als mobil bezeichnen, wenn sie zumindest
versucht, den gesamten möglichen Gedankenraum von Wissen, Bildung
und künstlerischer Sprache zu durchmessen und sich nicht von den
Schranken der realen Form kapitalistischer Gesellschaft aufhalten läßt.
Denn diesen Gedankenraum verstellen Ideologiemaschinen, die kontinuierlich
in allen Formen und Farben, facetten der kapitalistischen Show hinausblasen
: Leistung, Kontrolle, Effizienz, Funktion, Qualität, Auswahl, Fortschritt,
Technik, Produkt, Disziplin, Werk, Genre, Vermarktbarkeit, Berwertbarkeit,
Vergleichbarkeit,.... diese Produktion steht ebenfalls niemals still.
Eine mobile Future Academie wie ich sie mir vorstelle ist nicht mobil,
weil sie den Staat oder den kulturellen Kontext wechselt, sie ist mobil,
weil sie diese Ideologieproduktion umschifft, quer durch sie hindurch
denkt und mit der linken hand balancierend die eigene Ideenkonstitution
offen und angreifbar macht.
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So sehr der Gedankenraum von Bildung und Wissen mit Ideologiemaschinen
vollgestellt ist, so sehr ist der Möglichkeitsraum eines Nachdenkens
über Gesellschaft vernebelt. Die Nebelkerzen der kontinuierlichen
Diskreditierung einer sozialen Utopie lassen jedes Bild, das wir uns von
einer anderen Form von Gesellschaft und ihren Stoffkreisläufen machen,
als alternde Ruine erscheinen.
Eine Future Academy wird meiner Ansicht nach, die Mobilität der zeitgenössichen
Gesellschaft, die globalen und komplex miteinander verwobenen Stoffkreisläufe
von Produkten, Waren, Ideen und Kultur zwar als Realiät anerkennen
und darauf aufbauen. Eine Future Academy aber, wie ich sie mir vorstelle,
wird über eine Verstärkung und Reproduktion der Logiken des
völlig irrsinnigen und unmenschlichen Kapitalismus hinausgehen, und
wieder anfangen die andere Gesellschaft, deren Institution sie sein wird,
zu entwerfen.
Sie muss das Verhältnis umkehren, das die Institution zum bürgerlichen
Staat und damit zur gesellschaft einnimmt: Ein Spiegel ihrer Verfasstheit
zu sein, eines der Instrumente des Staates zur Durchdringung und Disziplinierung.
Sie muss aufhören Benthams "any sort of Sie muss vielmehr der
positive Nicht ort sein, an dem mit dem wissen um diese jetzige gesellschaft
eine andere gesellschaft gedacht wird und versucht wird in dieser jetzigen
zu leben und gleichzeitig in der anderen gewünschten.
10 a
Vieles von dem was ich zu sagen habe, wird erfahrenen Future academisten
bekannt sein, vielleicht kurz an der Grenze zur banalität liegen.
Ich hoffe, dass meine Future Kommilitonen, ("Waffenbrüder",
wie das alte deutsche universitäre Wort sagt,) aus dem text das bedürfnis
spüren können, in all der Mobilität und Globalität
ersteinmal einen Anker auszuwerfen und von einem vermeintlich festen Punkt
zu sprechen und sich der Future Academy zu nähern. Dieser Punkt erscheint
vielleicht verwaschen ist aber vor allem deswegen abstrakt, weil er an
einer Praxis grundet, die hier nicht sichtbar ist. Die anderen Räume,
die wir alle täglich irgendwo anders schaffen sind nicht repräsentierbar.
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